Was passiert nach dem Anschlag in Berlin?
Versuch rechter Politiker, den Anschlag auf die CSD zu vereinnahmen.
Eigentlich müssten queere Menschen sich die Zeit nehmen um zu trauern. Doch leider müssen sie sich jetzt mit widersprüchlichen Aussagen von Personen auseinandersetzen, die vorgeben sich um ihre Rechte zu kümmern nur um hasserfüllte Ansichten zu verbreiten. Queere Menschen lehnen Extremismus in all seinen Formen ab ganz gleich ob er von rechtsradikalen, christlichen Nationalisten, Tech-Milliardären oder islamistischen Extremisten ausgeht.
Wäre der mutmaßliche Täter in Berlin weiß gewesen, würden dieselben Stimmen, die jetzt die Toleranz querer Menschen gegenüber Muslimen hinterfragen, von einem Einzeltäter sprechen. Menschen die die queere Community bislang nicht unterstützt haben dürfen solche Taten nicht nutzen um neue Vorurteile zu schüren.
Die Zeitung Windy City Times aus Chicago IL schreibt zu den Attentaten von Berlin, das solche Taten wie die jetzt in Berlin daran erinnern, worauf die CSD und die Pride-Paraden basieren. Solche Taten erinnern alle an die Realitäten die jede LGBTQ+ Person kennt. „Wenn wir uns öffentlich zusammenfinden zu einer Pride-Parade oder zu einer anderen Veranstaltung, gibt es immer Menschen, die wollen das wir wieder verschwinden. Sie wollen das wir leise sind. Jedes Jahr machen Millionen von uns genau das Gegenteil. Wenn Rechte, Terroristen oder andere hasserfüllte uns davon abhalten öffentlich Feste oder Veranstaltungen auszutragen, dann haben sie genau das erreicht was sie wollten. Das dürfen wir nicht zulassen“. Von 15000 Teilnehmern beim ersten Pride-Day 1970 bis zu Millionen Teilnehmern heutzutage weltweit, das ist nicht zufällig passiert. Es ist passiert, weil Generationen für Generationen es abgelehnt haben zu „verschwinden“.
„Unglaublich, was hier los ist. Warum sollen solche Leute auf die Straße gehen?“ fragt ein Zuschauer der Love-Parade. Genau darin sieht der CSD Reutlingen eines seiner wichtigsten Anliegen: mehr Sichtbarkeit für queere Menschen. CSD ist mehr als nur DAS was nach außen getragen wird. CSD hat in den Jahrzehnten alle innerhalb zusammengeführt. „Wir stehen heutzutage alle Seite an Seite“. Der Vereinsvorstand betonte: „Das ist unser stärkstes Mittel gegen Ausgrenzung. Wir brauchen eine Gesellschaft, die nicht zusieht, sondern aktiv solidarisch ist“.
Rechte Vereinnahmung
Einfache Antworten gibt es nicht, auch wenn Parteien wie die AFD dies vorgaukeln. Zwei Monate vor den Wahlen in drei Bundesländern spielt der Anschlag rechten Parteien massiv in die Karten. Das von vielen rechten Parteien vertretene Konzept der Remigration im Falle der AFD auch von deutschen Staatsbürgern mit migrantischen Hintergrund liest sich aus AFD-Sicht wie eine Lösungsblaupause auf den aktuellen Anschlag von Berlin. Es ist aber nichts weiter als eine Instrumentalisierung für den Wahlkampf.
Gefährlicher, weil wirkungsnaher, sind Merz, Söder und Dobrindt, die in alter Schlachtmanier Konsequenzen ankündigen. Denen geht es nicht um Schutz der Queeren Community, sie wollen nicht nur Gefährder“ sondern gleich alle „Ausreisepflichtige so schnell wie möglich dazu bewegen, das Land zu verlassen“. Auch über Staatsbürgerschaft und Erwachsenenstrafrecht „müsse gesprochen werden“ (Tagesschau24). Söder: „Gefährder brauchen keinen Führerschein“ und wohl auch keinen Schutz mehr!
In eine richtige Richtung gehen Vorschläge, das Diskriminierungsverbot in Art. 3 GG um das Merkmal „sexuelle Identität“ zu ergänzen. Davon aufgeschreckt bläst die CDU zum Sturm „Konsequenter gegen Gefährder statt Grundgesetzänderung“.
Alle sollen sich in den verschiedensten Lebensbereichen zeigen und sicher fühlen können. Auf der Straße, am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche, im Krankenhaus oder beim Amt.
Die Richtung der Links-Partei stimmt!
Wir stimmen zu!

